Justizpalast

Der Justizpalast ist kein Museum, sondern ein arbeitendes Gerichtsgebäude. Hier sitzen der Oberste Gerichtshof, das Oberlandesgericht Wien, das Landesgericht für Zivilrechtssachen, die Generalprokuratur und die Oberstaatsanwaltschaft – zusammen über 500 Mitarbeiter. Besucher sind erlaubt, aber es gibt kein Ticket, keine Führung und keinen Museumsbetrieb. Was es gibt: eine der eindrucksvollsten Hallen der Stadt und ein Café im Dachgeschoß, von dem kaum jemand weiß.

Lohnt sich der Besuch?

Wenn du historistische Architektur magst: ja. Die Zentralhalle ist eine dreigeschoßige, glasgedeckte Arkadenhalle, 31 Meter lang, 15 Meter breit und 23 Meter hoch. Eine breite Freitreppe führt in das zweite Obergeschoß und endet bei einer Marmorstatue der Justitia mit vergoldetem Schwert und Gesetzbuch, geschaffen von Emanuel Pendl.

Der Reiz liegt darin, dass hier gearbeitet wird. Über die Treppe gehen Anwältinnen mit Aktenwagen, in den Gängen warten Menschen auf Verhandlungen. Das ist etwas anderes als ein konservierter Prunkraum – und es heißt auch, dass du dich zurückhaltend bewegen solltest.

Wenn du dagegen eine Sehenswürdigkeit mit Rundgang und Beschilderung erwartest, wirst du wenig finden. Es gibt keine Ausstellung und keine Erklärtafeln. Wer sich für die Bauzeit interessiert, sollte das Gebäude im Zusammenhang sehen: Parlament, Rathaus und Universität stehen wenige hundert Meter entfernt und stammen aus derselben Jahrzehnten. Die Ringstraßenzeit hat den Institutionen des Staates bewusst eigene Bauten gegeben, jeder in einem anderen historischen Stil.

Plan eine halbe Stunde für die Halle und noch einmal so lange für das Café. Wer beides mit dem Museumsquartier oder dem Volksgarten verbindet, hat einen guten halben Tag.

Tickets und Preise

Der Zutritt ist kostenlos. Am Eingang gibt es eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen, also Taschen durchleuchten und Metalldetektor. Nimm einen Lichtbildausweis mit.

Öffnungszeiten und beste Zeit

Das Gebäude ist an Werktagen zugänglich, an Wochenenden und Feiertagen nicht. Die Kernzeit liegt am Vormittag bis in den frühen Nachmittag; die genauen Zeiten können sich ändern, prüf sie im Zweifel vorher.

Für die Halle ist die Mittagszeit am schönsten: Dann steht die Sonne hoch genug, dass Licht durch das Glasdach bis auf die Treppe fällt. Für das Dachcafé gilt das Gegenteil – dort willst du einen Tisch am Fenster, und der ist am ehesten außerhalb der Mittagspause frei.

Anfahrt

Die nächste U-Bahn-Station ist Volkstheater (U2 und U3), von dort sind es rund fünf Minuten zu Fuß über den Museumsplatz. Alternativ halten die Ringstraßen-Straßenbahnlinien in der Nähe, ebenso die Linie 46 und 49 am Ring. Mit dem Auto lohnt sich die Anfahrt nicht – der erste Bezirk ist durchgehend Kurzparkzone.

Geschichte in Kürze

Gebaut wurde der Justizpalast zwischen 1875 und 1881 nach Plänen von Alexander Wielemans von Monteforte, im Stil der Neorenaissance. Er gehört zu den Bauten, die im Zuge der Ringstraßenzeit die Institutionen des Staates sichtbar machen sollten – neben Parlament, Rathaus und Universität.

Am 15. Juli 1927 wurde das Gebäude zum Schauplatz eines der schwersten Ereignisse der Ersten Republik. Nach dem Freispruch im sogenannten Schattendorfer Prozess zog eine Demonstration zum Justizpalast, stürmte die oberen Stockwerke und setzte sie in Brand. Die Polizei schoss in die Menge. 89 Menschen starben, 84 Demonstranten und fünf Polizisten. Der Justizpalastbrand gilt als eine der Wegmarken auf dem Weg in den Bürgerkrieg von 1934.

2007 wurde das Dachgeschoß ausgebaut. Dabei entstanden eine zentrale Bibliothek, die als „Lesebrücke“ über die Halle führt, und das öffentlich zugängliche Café direkt über dem Haupteingang.

In der Nähe

  • Parlament – 200 Meter entfernt, ebenfalls Ringstraßenzeit, mit eigenem Besucherprogramm.
  • Volksgarten – der nächste Grünraum, mit über 3.000 Rosenstöcken.
  • Maria-Theresien-Platz – drei Gehminuten, zwischen den beiden großen Museen.
  • Volkstheater – direkt an der U-Bahn-Station, mit der du ohnehin ankommst.

Tipp

Geh zuerst in die Halle und dann hinauf ins Café, nicht umgekehrt. Von der Freitreppe aus siehst du die Arkaden in voller Höhe; wer erst oben war, nimmt sie beim Hinuntergehen kaum noch wahr. Und setz dich im Café nach außen: Der Blick geht über die Dächer der Innenstadt, nicht in den Hof.

Einrichtungen

  • rollstuhlgerecht
  • Fotografieren erlaubt
  • kostenloser Eintritt
  • Aussichtspunkt
  • nahe öffentlicher Verkehr

Karte

FAQs

Ja, der Zutritt ist an Werktagen möglich und kostenlos. Es handelt sich aber um ein arbeitendes Gerichtsgebäude, nicht um ein Museum: Es gibt keine Führung, keine Ausstellung und keine Erklärtafeln. Am Eingang steht eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen, nimm also einen Lichtbildausweis mit und rechne mit einer kurzen Wartezeit.

Ja. Beim Dachausbau 2007 entstand ein öffentlich zugängliches Café direkt über dem Haupteingang. Von dort geht der Blick über die Dächer der Innenstadt. Du musst dieselbe Sicherheitskontrolle passieren wie alle anderen Besucher. Weil kaum jemand davon weiß, ist es auch zu Stoßzeiten selten voll – ein Tisch am Fenster ist meist zu bekommen.

Am 15. Juli 1927 zog nach einem Freispruch im Schattendorfer Prozess eine Demonstration zum Justizpalast, stürmte die oberen Stockwerke und setzte sie in Brand. Die Polizei schoss in die Menge. 89 Menschen kamen ums Leben, 84 Demonstranten und fünf Polizisten. Das Ereignis gilt als eine der Wegmarken auf dem Weg in den österreichischen Bürgerkrieg von 1934.

Der Oberste Gerichtshof, das Oberlandesgericht Wien, das Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien, die Generalprokuratur und die Oberstaatsanwaltschaft Wien. Zusammen arbeiten dort über 500 Menschen. Das erklärt auch den Charakter des Hauses: In den Gängen warten Menschen auf Verhandlungen, über die Freitreppe gehen Anwältinnen mit Aktenwagen.

Die nächste U-Bahn-Station ist Volkstheater, erreichbar mit U2 und U3. Von dort sind es rund fünf Gehminuten über den Museumsplatz zum Schmerlingplatz. Auch die Straßenbahnlinien entlang der Ringstraße halten in der Nähe. Mit dem Auto lohnt sich die Anfahrt nicht, weil der gesamte erste Bezirk Kurzparkzone ist.

Zwischen 1875 und 1881, nach Plänen von Alexander Wielemans von Monteforte, im Stil der Neorenaissance. Er gehört zu den Bauten der Ringstraßenzeit, die die Institutionen des Staates sichtbar machen sollten – neben Parlament, Rathaus und Universität. Das Dachgeschoß kam 2007 dazu, mitsamt Bibliothek und dem öffentlich zugänglichen Café.

Weitere Bilder

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In der Nähe

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